Dörwald, Uwe
272 | Mai 2017

Ungebremst gegen die Wand

Lobbyismus und Bildungsreformen

Schraipsd du widu schprichsd? Mittels einer alten, aber politisch wirkungsvollen Berater- bzw- Lobbyistenweisheit - Man darf die Frösche nicht fragen, wenn man ihren Teich austrocknen will. - zeigt Josef Kraus in seinem Buch "Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt" (2017), wer die Treiber, die Nutznießer und die Opfer von Schulreformen sind und er beschreibt klar und deutlich, was Schulreformen bringen und was sie nicht leisten können. [mehr]
SIRI 17
271 | Mai 2017

Depeschen aus der Kapitale - 4

Über Obdachlosigkeit

Obwohl die Zahl der Obdachlosen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist, führt die Bundesregierung selbst keine eigene Statistik über wohnungslose Menschen in unserem (reichen) Land. Dies ist Grund genug, das Problem anhand eines Beitrags unserer Hauptstadt-Korrespondentin zu verdeutlichen. [mehr]
Dörwald, Uwe
270 | April 2017

Anmerkungen zum Pflege- und Gesundheitssystem

... es bleibt die Feststellung, dass in dem beschriebenen Fall die Unzulänglichkeiten überwiegen und dass man als Angehöriger mit Fragen (zu oft) alleine gelassen wird. Dies gilt auch für die Pflegekasse(n), bei der wegen jeder Kleinigkeit umfangreiche Formulare ausgefüllt werden müssen und bei der ich inzwischen mehr als 15 verschiedene Ansprechpartner habe, was auch für Mängel im bürokratischen und organisatorischen Ablauf spricht. Das fein gewobene bürokratische Netz aus Zuständigkeiten und Unzuständigkeiten zermürbt. Gesundheit und Pflege gehören nicht zu den Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, die man (nur) verwalten und nach betriebswirtschaftlichen Kriterien oder Kosten-Nutzen-Kalkülen organisieren kann. Kliniken und auch Pflegeeinrichtungen sind keine normalen Unternehmen, ... [mehr]
Rainer, Ulrike
269 | April 2017

Life in the United States - 16

Rhode Island - Der kleinste Staat

Es ist selten, daß Dichter auch Städtegründer sind. Roger Williams war beides. Aber er war noch mehr: Er war Pastor und Linguist, einer der Wenigen, die die Sprache der Indianer lernten. Für ihn waren die Narragansetts und Wampanoags weder geringwertig noch unzivilisiert, sondern er glaubte fest, daß “die Natur keinen Unterschied in Ursprung, Geburt und Körper zwischen Europäern und Indianern kennt”. Mit dieser Einstellung erntete er das Vertrauen und die Freundschaft der Indianer aber die Feindschaft des Königs, weil er in einer Schmähschrift forderte, daß die Siedler für das Land der Indianer bezahlen müßten, anstatt es sich einfach unverschämt unter den Nagel zu reißen. Ihm selbst brachte die Freundschaft der Narragansetts Gewinn. Sie schenkten ihm das Land: ”Die Wahrheit ist, daß [sie] keinen Pfennig verlangten. Geld hätte Rhode Island nicht erwerben können. Rhode Island wurde mit Liebe gekauft”. [mehr]
SIRI 17
268 | März 2017

Depeschen aus der Kapitale - 3

REISEN MIT FLIXBUS

Seitdem der Fernbusverkehr in Deutschland 2013 liberalisiert wurde und es aufgrund des Personenbeförderungsgesetzes erlaubt ist, in Konkurrenz zur Deutschen Bundesbahn zu treten, gab es anfangs mehrere Anbieter auf dem Markt. Manche erinnern sich vielleicht noch an Mein Fernbus.de. Seit vier Jahren hat Flixbus den Markt komplett übernommen, so dass es sich fast schon um ein Deonym handelt, also um die Wandlung von einem Eigennamen zum Gattungsnamen, wie Tempotaschentuch oder Tesafilm. Flixbus scheint also alles richtig gemacht zu haben, mit mehr als 60 Millionen Fahrgasten seit der Gründung im Jahr 2011 und über 300 Haltestellen europaweit. Trotzdem verwässert so ein Deonym natürlich die Tatsache, dass es sich bei Flixbus um ein Start-Up-Unternehmen handelt, das Subunternehmer beschäftigt und neoliberal nicht gewerkschaftlich organisiert ist. Auf meine telefonische Anfrage, ob die Busfahrer mehr als den Mindestlohn von 8,50 EUR in der Stunde verdienen, bekomme ich ausweichende Antworten. [mehr]
Dimmers, Jan
267 | März 2017

Tulpen aus der Türkei

Wahlergebnisse in der Vorfrühlingszeit

Ein von Twitterlauten und Tweets begleitetes Frühlingserwachen war von der extremen Rechten in den Niederlanden erwartet und erhofft worden. Der Untergang des sehr kleinen Stückchen Abendlandes an der Nordsee wurde in zahllosen, immer dasselbe wiederholenden Schlagzeilen heraufbeschworen. Wartend auf die Barbaren zählte der Rechtsextremismus jeden Tag seine Segnungen. Die Niederlande wurden in eine politische Arena umgewandelt. Da gab es 81 registrierte politische Parteien. Davon sagte eine Rekordzahl (28) einander letzten Endes den Kampf um 150 Sessel an. (...) Holland ist nicht nur klein, es hat auf dieser kleinen Welt auch die allerkleinste Partei. Die Partei für die Freiheit (PVV) hat nur ein einziges offizielles Mitglied. Das ist Geert Wilders. (...)  Aber: Wilders hat verloren. Der niederländische Dominostein fällt nicht. Europa atmet auf. [mehr]
Hoppe, Felicitas
266 | März 2017

FELICITAS HOPPE SAGT

Ein Gespräch zur Filmpremiere

„Man muss bedrohlichen Zuständen mit Produktivität begegnen.“
Ein Gespräch mit Felicitas Hoppe anlässlich der Uraufführung des Films Felicitas Hoppe sagt

Der Film Felicitas Hoppe sagt ist eine Suche nach Antworten auf scheinbar einfache Fragen, es ist Hoppe in der ersten Person: Wie lebt man zwischen Produktion und Selbstreflexion, zwischen Gipfelsturm und möglichem Absturz, zwischen Selbstanschauung und Selbstvermarktung? Oliver Vogel, Hoppes Lektor, sprach mit der Autorin wenige Tage vor der Uraufführung des Films, die am 17. März im Sprengel Museum Hannover stattfinden wird.

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Kroitzsch, Friederike
265 | März 2017

GRUSSWORT

Manchmal dürfen wir Beiträge von anderen Blogs oder aus Zeitschriften übernehmen. So auch in diesem Fall. Der Beitrag GRUSSWORT von Friederike Kroitzsch bietet uns auch die Möglichkeit, auf ihren sehr schönen und lesenswerten LandLebenBlog hinzuweisen. Grusswort ist ein äußerst humorvoller Beitrag zur Unsitte langer und langweiliger Grussworte. Wie die Autorin habe auch ich, insbesondere im ländlichen Raum, unter Grussworten und Grusswort-Rednern gelitten. Ich habe die Politiker und auch Dezernenten hinter den Rednerpulten noch in lebhafter Erinnerung. Besonders natürlich jenen, der immer grinste und sich überaus wichtig vorkam. Oder den, der meinte, etwas von Sprache zu verstehen, aber nicht verstand. Grussworte sind mitunter Zumutungen für Geist und Steiß. Doch bevor dieser Teaser zu einem Grusswort wird, lesen Sie lieber den Text. [mehr]
SIRI 17
264 | Februar 2017

Depeschen aus der Kapitale - 2

ZUM HUNDERTSTEN GEBURTSTAG VON JANE BOWLES

Heute möchte ich nicht über die Hauptstadt schreiben, sondern über meine Jane Bowles. Ja, genau, meine. Einige Seiten lang soll sie nur mir gehören. Am liebsten würde ich sie JB nennen oder sogar zärtlicherweise Janie. Denn es hat Jahre gegeben, in denen ich geradezu besessen von Jane Bowles war. Heute weiß ich nicht genau, ob man sie überhaupt noch kennt. Wenn ich in meinem Bekanntenkreis herumfrage, nennen einige ihren Ehemann, Paul Bowles, den Komponisten und Weltbestseller-Autor von Himmel über der Wüste. Manche Homosexuelle über 50 haben wegen Tennessee Williams und Truman Capote ihren Namen schon einmal gehört. Jane Bowles selbst ist in Vergessenheit geraten. Am 22. Februar 2017 wäre sie 100 Jahre alt geworden. Zeit an sie zu erinnern. Das kann ich nicht, ohne etwas auszuholen, wenn es um meine JB gehen soll. [mehr]
Rainer, Ulrike
263 | Februar 2017

And the Truth Keeps Marching on

Women's March Washington D.C.

Schon im Flughafen von Hartford, Connecticut, fällt mir auf, daß zwei Drittel der Passagiere rosa Katzenmützen tragen. Es herrscht Aufbruchstimmung. Großmütter, ihre Töchter und Enkelinnen machen sich auf den Weg, um gegen den neuen Präsidenten, dessen Namen wir nicht über die Lippen bringen, zu protestieren. Der kurze Flug nach Washington vergeht schnell, denn neben mir sitzt zufällig eine ehemalige Studentin meines Colleges, und wir kommen leicht ins Gespräch. Überhaupt reden alle mit allen, weil sich endlich jede, die bisher im eigenen Saft schmorte, in Gesellschaft Luft machen und kräftig schimpfen kann. Es gibt genug Gründe dafür. (...) [mehr]