SIRI 17
268 | März 2017

Depeschen aus der Kapitale - 3

REISEN MIT FLIXBUS

Seitdem der Fernbusverkehr in Deutschland 2013 liberalisiert wurde und es aufgrund des Personenbeförderungsgesetzes erlaubt ist, in Konkurrenz zur Deutschen Bundesbahn zu treten, gab es anfangs mehrere Anbieter auf dem Markt. Manche erinnern sich vielleicht noch an Mein Fernbus.de. Seit vier Jahren hat Flixbus den Markt komplett übernommen, so dass es sich fast schon um ein Deonym handelt, also um die Wandlung von einem Eigennamen zum Gattungsnamen, wie Tempotaschentuch oder Tesafilm. Flixbus scheint also alles richtig gemacht zu haben, mit mehr als 60 Millionen Fahrgästen seit der Gründung im Jahr 2011 und über 300 Haltestellen europaweit. Trotzdem verwässert so ein Deonym natürlich die Tatsache, dass es sich bei Flixbus um ein Start-Up-Unternehmen handelt, das Subunternehmer beschäftigt und neoliberal nicht gewerkschaftlich organisiert ist. Auf meine telefonische Anfrage, ob die Busfahrer mehr als den Mindestlohn von 8,50 EUR in der Stunde verdienen, bekomme ich ausweichende Antworten.
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Dimmers, Jan
267 | März 2017

Tulpen aus der Türkei

Wahlergebnisse in der Vorfrühlingszeit

Ein von Twitterlauten und Tweets begleitetes Frühlingserwachen war von der extremen Rechten in den Niederlanden erwartet und erhofft worden. Der Untergang des sehr kleinen Stückchen Abendlandes an der Nordsee wurde in zahllosen, immer dasselbe wiederholenden Schlagzeilen heraufbeschworen.
Wartend auf die Barbaren zählte der Rechtsextremismus jeden Tag seine Segnungen. Die Niederlande wurden in eine politische Arena umgewandelt. Da gab es 81 registrierte politische Parteien. Davon sagte eine Rekordzahl (28) einander letzten Endes den Kampf um 150 Sessel an. (...) Holland ist nicht nur klein, es hat auf dieser kleinen Welt auch die allerkleinste Partei. Die Partei für die Freiheit (PVV) hat nur ein einziges offizielles Mitglied. Das ist Geert Wilders. (...) 
Aber: Wilders hat verloren. Der niederländische Dominostein fällt nicht. Europa atmet auf.
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Hoppe, Felicitas
266 | März 2017

FELICITAS HOPPE SAGT

Ein Gespräch zur Filmpremiere

„Man muss bedrohlichen Zuständen mit Produktivität begegnen.“
Ein Gespräch mit Felicitas Hoppe anlässlich der Uraufführung des Films Felicitas Hoppe sagt

Der Film Felicitas Hoppe sagt ist eine Suche nach Antworten auf scheinbar einfache Fragen, es ist Hoppe in der ersten Person: Wie lebt man zwischen Produktion und Selbstreflexion, zwischen Gipfelsturm und möglichem Absturz, zwischen Selbstanschauung und Selbstvermarktung? Oliver Vogel, Hoppes Lektor, sprach mit der Autorin wenige Tage vor der Uraufführung des Films, die am 17. März im Sprengel Museum Hannover stattfinden wird.

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Kroitzsch, Friederike
265 | März 2017

GRUSSWORT

Manchmal dürfen wir Beiträge von anderen Blogs oder aus Zeitschriften übernehmen. So auch in diesem Fall. Der Beitrag GRUSSWORT von Friederike Kroitzsch bietet uns auch die Möglichkeit, auf ihren sehr schönen und lesenswerten LandLebenBlog hinzuweisen. Grusswort ist ein äußerst humorvoller Beitrag zur Unsitte langer und langweiliger Grussworte. Wie die Autorin habe auch ich, insbesondere im ländlichen Raum, unter Grussworten und Grusswort-Rednern gelitten. Ich habe die Politiker und auch Dezernenten hinter den Rednerpulten noch in lebhafter Erinnerung. Besonders natürlich jenen, der immer grinste und sich überaus wichtig vorkam. Oder den, der meinte, etwas von Sprache zu verstehen, aber nicht verstand. Grussworte sind mitunter Zumutungen für Geist und Steiß. Doch bevor dieser Teaser zu einem Grusswort wird, lesen Sie lieber den Text. [mehr]
SIRI 17
264 | Februar 2017

Depeschen aus der Kapitale - 2

ZUM HUNDERTSTEN GEBURTSTAG VON JANE BOWLES

Heute möchte ich nicht über die Hauptstadt schreiben, sondern über meine Jane Bowles. Ja, genau, meine. Einige Seiten lang soll sie nur mir gehören. Am liebsten würde ich sie JB nennen oder sogar zärtlicherweise Janie. Denn es hat Jahre gegeben, in denen ich geradezu besessen von Jane Bowles war. Heute weiß ich nicht genau, ob man sie überhaupt noch kennt. Wenn ich in meinem Bekanntenkreis herumfrage, nennen einige ihren Ehemann, Paul Bowles, den Komponisten und Weltbestseller-Autor von Himmel über der Wüste. Manche Homosexuelle über 50 haben wegen Tennessee Williams und Truman Capote ihren Namen schon einmal gehört. Jane Bowles selbst ist in Vergessenheit geraten. Am 22. Februar 2017 wäre sie 100 Jahre alt geworden. Zeit an sie zu erinnern. Das kann ich nicht, ohne etwas auszuholen, wenn es um meine JB gehen soll. [mehr]
Rainer, Ulrike
263 | Februar 2017

And the Truth Keeps Marching on

Women's March Washington D.C.

Schon im Flughafen von Hartford, Connecticut, fällt mir auf, daß zwei Drittel der Passagiere rosa Katzenmützen tragen. Es herrscht Aufbruchstimmung. Großmütter, ihre Töchter und Enkelinnen machen sich auf den Weg, um gegen den neuen Präsidenten, dessen Namen wir nicht über die Lippen bringen, zu protestieren. Der kurze Flug nach Washington vergeht schnell, denn neben mir sitzt zufällig eine ehemalige Studentin meines Colleges, und wir kommen leicht ins Gespräch. Überhaupt reden alle mit allen, weil sich endlich jede, die bisher im eigenen Saft schmorte, in Gesellschaft Luft machen und kräftig schimpfen kann. Es gibt genug Gründe dafür. (...) [mehr]
Rainer, Ulrike
262 | Februar 2017

Paradiese?

Kaum steige ich in Puerto Rico aus dem Flugzeug, schlägt mir die warme Luft entgegen. Vor knapp vier Stunden trug ich noch die Winterjacke. Während ich auf die kleine Propellermaschine warte, die mich weiter nach St. Thomas bringen wird, bewundere ich zwei niedliche Hunde, die friedlich neben einem Ehepaar mittleren Alters sitzen. Wie immer, wenn man Hunde bewundert, kommt man sofort mit ihren Besitzern ins Gespräch. Da erfahre ich, daß sie mit uns in der engen Sardinenbüchse mitfliegen werden, denn sie seien psychische Therapiehunde. Und richtig: sie haben entsprechende Mäntelchen, die sie als solche kennzeichnen. Was es nicht alles gibt. Ich staune nicht schlecht. Der Pilot merkt wohl mein Unbehagen und meint beruhigend, daß er diese Flüge jeden Tag mehrmals mache. (...) [mehr]
Red.
261 | Januar 2017

#GRUNDRAUSCHEN - Q1/2017

Eigentlich ist unser Grundrauschen wie ein moderates Hintergrundrauschen. Diesmal kommt es heftiger daher. Es gleicht eher dem Prasseln und Trommeln eines Platzregens auf einer Fensterscheibe. Überall und hochgetaktet Trump, Trump, Trump - ob in den Zeitungen, im Radio und im TV, ob bei Facebook oder Twitter. [mehr]
Dörwald, Uwe
260 | Januar 2017

Kunst als Geschichtsschreibung

Zur Aktualität von Adornos Ästhetischer Theorie

Warum gerade jetzt Adorno lesen? In diesem Beitrag geht es darum, was man versäumt, wenn man sich mit der Ästhetischen Theorie Adornos ohne Bezug zu ihrer und unserer Geschichte (und Gegenwart) auseinandersetzt. Man kann sagen, daß Adornos Werk – und nicht nur seine Theorie über die Kunst (der Moderne) - in bewußter Abgrenzung zum Faschismus entwickelt worden ist. Weil für die Kritische Theorie gerade diese Abgrenzung von Bedeutung ist, hat sie auch eine Bedeutung in unserer Gegenwart; denn besonders in Zeiten, in denen Politiker wie Erdogan, Orban oder Trump, also (gefährliche) Populisten, nicht nur die Sprache, das freie Wort (Journalisten) oder Kunst und Wissenschaft diskreditieren, angreifen und bedrohen, ist es wichtig, ein Mittel gegen diese in der Hand zu haben. Kritische Theorie ist ein Mittel, um Angriffe auf Sprache, auf Wahrheit, auf Kunst und auch auf politische Zumutungen abzuwehren. Man kann der Zumutung von Trumps MAKE AMERICA GREAT AGAIN ein MAKE CRITICAL THEORY GREAT AGAIN entgegensetzen. [mehr]
SIRI 17
259 | Januar 2017

Depeschen aus der Kapitale - 1 (2017)

Breitscheidplatz

... Obwohl ich auch in der Bibliothek die Berliner Tageszeitungen der letzten Wochen durchsuchte und in zahlreichen Artikeln über den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt viele Informationen bekam, wunderte ich mich, dass es nur einen Gedenkgottesdienst in der Gedächtniskirche gegeben hatte. Ich dachte, ich hätte etwas Wichtiges überlesen, forschte weiter und fand nichts.... [mehr]