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Dörwald, Uwe
441 |

Vom Individualismus zur Hybris

Individualismus auf dem Seziertisch einer Philosophin: Warum man Karen Gloys Buch „Die Selbstsuspendierung des Individualismus“ lesen und zur Kenntnis nehmen sollte

Für den Gebrauch von Schrauben gibt es im Handwerk den schönen Satz: Nach ‚fest‘ kommt ‚ab‘. Dieser Satz scheint übertragbar zu sein auf die Entwicklung des Begriffs Individualismus.

Schon in ihrem letzten Buch „Demokratie in der Krise?“, das hier auch besprochen wurde, trat die Philosophin Karen Gloy als Mahnerin auf. Dort war die Corona-Krise der Auslöser bzw. der Anlass für ihre Überlegungen bezüglich der Effizienz unserer demokratischen Systeme im Vergleich mit anderen politischen Systemen. In ihrem neuen Buch „Die Selbstsuspendierung des Individualismus. Eine Auseinandersetzung mit unserer westlichen Kultur“ (2021) geht ihre Kritik an unserer Art der Gesellschaft tiefer bzw. an die philosophischen Fundamente.

Der Anlass oder der…

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SIRI 16,
440 |

Was machen Türsteher von angesagten Berliner Clubs?

Depeschen aus der Kapitale - Folge 1 / 2021

Wenn ich vor der Pandemie vom Yogastudio kommend über den Kurfürstendamm lief und in die Joachimsthaler Straße einbog, fragten mich  manchmal Touristen nach dem Maxim.

„Das Maxim“, antwortete ich, „kenne ich nur aus einem Lied von Johannes Heesters: Heut` geh ich ins Maxim, da ist es sehr intim.“
Manchmal fügte ich auch noch hinzu, dass dieses Lied aus der Operette Die lustige Witwe von Franz Lehar stammt und darin etwas längst Vergessenes wie Grisetten vorkommen.
Aber meistens waren die Touristen dann schon weiter gegangen, und ich blieb allein zurück mit meinem nutzlosen Wissen über Grisetten. Im 19. Jahrhundert nannte man so unverheiratete Putzmacherinnen, Wäscherinnen und Fabrikarbeiterinnen, die sich abends in Lokalen wie dem Maxim

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Rainer, Ulrike
439 |

Life in the United States - 26

Maine - Der Schöne

Der Staat Maine liegt mir besonders am Herzen, daher leidet meine Objektivität. Erstens kenne ich die Küste ganz gut und bin von ihr begeistert, auch wenn ich noch nie auch nur eine Zehenspitze ins Wasser getaucht habe. Der offene Atlantik ist kalt! Zweitens kannte ich einen Nachkommen des Vizepräsidenten Abraham Lincolns. Der aus Paris, Maine, stammende Hannibal Hamlin war ein glühender Gegner der Sklaverei. Unser Kollege hieß Cyrus Hamlin. Er war Germanist an der Yale Universität. Sein klassisch gebildeter Vorfahre nannte seine Zwillinge Hannibal und Cyrus. Das führte zu der Familientradition, dass in jeder Generation der Name wechselte: Vater Hannibal, Sohn Cyrus, Enkel Hannibal, usw. Es gab schließlich nicht immer Zwillinge. Von Cy, so…

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Dörwald, Lukas
438 |

Die Stulle – mehr als nur ein Schulzeiten-Snack

Rezept des Monats - 5

Das heutige Rezept mag fast schon unverschämt einfach klingen, sollte aber dennoch nicht unbeachtet bleiben. Die gute alte Stulle, also das belegte Brot, bei den englischsprachigen Kollegen eher als Sandwich bekannt, ist genauso ein Gericht wie jedes andere auch. Der Grund für ein einfaches Rezept ist, dass ich gerade umgezogen bin und heute früh, nach der ersten Nacht in der neuen Wohnung, nicht allzu viel da hatte. Aber: Die Dinge in meinem Kühlschrank reichen fast immer für eine Stulle. Ähnlich wie die Einlagen in der bereits empfohlenen Frittata, kann die Stulle als Bausatzessen angesehen werden. Ein IKEA-Rezept, wenn man so will.

Die Stulle tritt sicherlich in das Leben der meisten Menschen als das, was in der frühen Schulzeit in der…

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Dörwald, Lukas
437 |

Spaghetti in Zitronensauce

Rezept des Monats - 4

Der Frühling liegt in der Luft. Die Vögel vor meinem Zimmer schmeißen mich um sieben Uhr in der Früh aus dem Bett, die Blüten werden immer mehr und es riecht nach Landluft, wenn man auf dem Rennrad sitzt.

Was würde da besser passen und mehr erfrischen als die Zitrone. Um diese Frucht aus dem Süden soll es heute gehen. Zur Gattung der Zitruspflanzen gehörend, ist die Zitrone eigentlich eine Kreuzung aus der Bitterorange und der Zitronatzitrone. Diese Mischung soll vermutlich im Norden Indiens entstanden sein. In China und im Mittelmeerraum lassen sich Nachweise um das Jahr 1000 finden. Über den Mittelmeerraum wurde die Zitrone dann in ganz Europa bekannt. Sizilien und Spanien waren hier die Antreiber. Nicht zuletzt wurden selbst auf…

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Dörwald, Uwe
436 |

Effizienz als Kriterium für Demokratie

Gedanken zu Karen Gloys Buch „Demokratie in der Krise?“

Eigentlich ist es trivial. Auch weil die eigene Lebenszeit begrenzt ist, muss man sich entscheiden und auswählen, welche Bücher man überhaupt liest und dann hier vorstellt und empfiehlt oder kritisiert. Weder anderen noch sich selbst will man Zeit stehlen. Aber es ist zwecklos, nicht zu suchen, nichts zu wollen, denn wenn man aufhört zu suchen, beginnt man zu finden, und wenn man aufhört zu wollen, dann beginnt das Leben, einem seinen Eintopf einzutrichtern, bis man ihn auskotzt, … (Samuel Beckett, Watt, S.44). Und wenn wir eins nicht wollen, dann ist es Eintopf für unsere Leserinnen und Leser. Wir begeben uns also auf die Suche und wollen Bücher präsentieren, deren Lektüre uns lohnend erscheint, und wir wollen Fragen stellen und…

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Dörwald, Uwe
435 |

Verschickungskinder

"Luftveränderung tut jedem gut"

Ich war eines der circa acht Millionen Kinder, die bis in die 1980er-Jahre zur Kinderkur in sogenannte Kindererholungsheime verschickt wurden. Ich war Vorschulkind und hatte wie viele andere auch Atemwegsprobleme - „Bronchitis“ / „Asthma“. Erinnern kann ich mich nur an sehr wenig und bruchstückhaft, was, wie Hilke Lorenz, die Autorin des Buches „Die Akte Verschickungskinder – Wie Kurheime für Generationen zum Albtraum wurden“, schreibt, daran liegen kann, dass die kindliche Psyche Mechanismen entwickelt, die einsetzen, wenn Angriffe auf die Seele übermächtig sind. Wenn der Übergriff auf die eigene Integrität sich nicht bewältigen lässt, setzt ein, was die Psychologie Dissoziation nennt. Dann werden nicht nur die Gefühle von dem Ereignis…

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Dörwald, Lukas
434 |

Vielseitig ohne Ende - das Ei

Rezept des Monats - 3

Was, das Ei? Ja, ganz genau. Es wird etwas simpel im März, allerdings nur oberflächlich.

Das Ei liegt bei mir fast immer im Kühlschrank. Ein Standard quasi. Mit Milch und Mehl wird sonntags mal eben ein Pfannkuchen-Frühstück gezaubert, ein gekochtes Ei, - 4:30 Minuten bei Größe M, damit das Eigelb noch flüssig ist -, oder ein klassisches Spiegelei zur abendlichen Brotzeit. Das sind nur ein paar Beispiele, welche Form das ovale Wunder annehmen kann.

Weltweit vom Menschen in der Nahrung am meisten genutzt ist sicherlich das Hühnerei. Weniger verbreitet aber immer noch erhältlich ist das Wachtelei, sozusagen der kleine Bruder des Hühnereis. Historisch wurde das Ei jedoch auch schon anders genutzt, in der Farben-, oder auch in alten Techniken…

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Rainer, Ulrike
433 |

Life in the United States - 25

Alabama - Das makelhafte Herz von Dixie

Alabama war in seinen Anfängen keine tabula rasa.

1835 machten sich die letzten Chirokees auf zum „Trail of Tears“. Auf ihrem Land wohnen die Nachkommen der weißen Siedler und Sklaven, die in einer erzwungenen Gemeinschaft den Reichtum der Menschen vor dem Bürgerkrieg sicherten, genauer gesagt für weniger als die Hälfte von ihnen. Der Rest waren Kleinbauern, die ihre Unabhängigkeit innerhalb der Kommunen pflegten und die Welt da draußen mit Misstrauen beäugten. Meistens arm, waren sie für neue Ideen schwer zu haben und sahen in höherer Bildung nicht unbedingt einen Ausweg. Nur die Söhne der Plantagenbesitzer genossen die höhere Bildung ihrer Zeit, bei der die Tugenden der Kontinuität und der Pflege von Traditionen im Zentrum standen. Die…

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Uzukauskaite, Lina
432 |

Ingeborg Bachmanns Rom

Verflechtungen zwischen ihrem Leben und Werk

Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) lebte in Rom, mit Unterbrechungen, ab dem Jahr 1954. Fast zwölf Jahre lang hatte sie ihren Wohnsitz in der città eterna. Rom vermittelte ihr „ein geistiges Heimatgefühl", hier fühlte sie sich „aufgehoben“ (GuI, S. 23), hier hatte sie leben gelernt:

Gelernt habe ich etwas von den Italienern, das ist schwer zu erklären. Denn man kann von ihnen etwas lernen, wenn man alles wegwirft, jede Vorstellung, die man sich vorher gemacht hat davon. Es sind nicht die Schönheiten, nicht die Orangenbäume und nicht die herrliche Architektur, sondern die Art zu leben. Ich habe hier leben gelernt. (Bachmann 2004, S. 29)

Bachmann spricht daher von der „Liebe zu [dieser] Stadt und ihren…

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