Diese Webseite nutzt Cookies

Diese Webseite nutzt Cookies zur Verbesserung des Erlebnisses unserer Besucher. Indem Sie weiterhin auf dieser Webseite navigieren, erklären Sie sich mit unserer Verwendung von Cookies einverstanden.

Einige dieser Cookies sind technisch zwingend notwendig, um gewissen Funktionen der Webseite zu gewährleisten.

DarĂĽber hinaus verwenden wir einige Cookies, die dazu dienen, Informationen ĂĽber das Benutzerverhalten auf dieser Webseite zu gewinnen und unsere Webseite auf Basis dieser Informationen stetig zu verbessern.

Suche:

Brose, Thomas
418 |

GLAUBE UND GEWISSEN

Zum Tod des Schriftstellers GĂĽnter de Bruyn

„Die Sicherheit, der ich das Glück meiner frühen Kindheit verdanke, basierte neben der Liebe der Eltern zu uns und zueinander auch auf einem Familien-Katholizismus, der unser Leben in die festen Regeln von Tisch- und Abendgebet, von sonntäglichem Kirchenbesuch und fleischlosen Freitagen zwängte, sonst aber von Person zu Person individuell gefärbt war“, schrieb der 1926 geborene Günter de Bruyn in seiner „Zwischenbilanz“ (1992).

Der Autobiograf machte darin deutlich, wo für ihn Quellen einer Autorschaft im Spannungsfeld von Machtanspruch und Gewissensentscheidung zu finden sind: Katholischsein in der Berliner Diaspora bedeutete für das jüngste von vier Geschwistern, Rückhalt im Glauben zu suchen und sein Leben im „Dritten Reich“ davon...

[Weiterlesen]
Rainer, Ulrike
417 |

NEW YORK, NEW YORK

Wo ist meine Stadt geblieben?

Heute scheint der Himmel noch dunkler. Und ich meine damit nicht, dass die Sonne durch den Rauch der kalifornischen Feuer verschleiert ist, sondern dass am 18. September 2020, die Oberste Richterin Ruth Bader Ginsburg verstorben ist. FĂĽr mich geht damit eine Ă„ra endgĂĽltig zu Ende, in der sie so intelligent wie lebensklug wirkte, und in der man fast   glauben konnte, dass es in Dingen der Rechte fĂĽr Minderheiten und besonders der Rechte fĂĽr Frauen nur immer weiter aufwärts gehen könnte.

Aber eigentlich wollte ich ĂĽber etwas ganz anderes schreiben. New York ist meine Lieblingsstadt. Das war sie von Anfang an, als ich noch in Connecticut wohnte und mit dem Zug oft hingefahren bin, sei es, um am Broadway ins Theater zu gehen oder ins...

[Weiterlesen]
Hoppe-Dörwald, Dorothea
416 |

WEITE IM GEIST

Rezension zum ALPHABET DER KINDHEIT von Helge-Ulrike HYAMS

Gezaubert wurde hier wirklich! Denn wer dieses Buch in den Händen hält, könnte meinen, eine Zauberin hat dieses geschaffen. Ganz neu und ganz anders, als man sich sonst dem Thema Kindheit nähert, macht sich die Autorin anhand der 26 Buchstaben des Alphabets auf den Weg, Kindheit neu zu deklinieren.

Wie kommt man auf die Idee, diesem Thema ein Alphabet zu widmen?

Die Liebe zum Kind, die Freude am Leben und ganz besonders die Weite im Geist, Dinge in großer Zugewandtheit zulassen zu können, machen den Ton dieses Buches aus.

Helge-Ulrike Hyams, Jahrgang 1942, lange als Professorin für Erziehungswissenschaften in Bremen tätig, Psychotherapeutin und Begründerin des Kindheitsmuseums in Marburg, das leider 2009 geschlossen wurde, ist mit diesem...

[Weiterlesen]
Schug, Wolfgang
415 |

„Angeber haben mehr vom Leben“ oder „Lügen, wie ein Zahnarzt“

Zur Inhaltsdeutung von Quacksalberbildern in der niederländischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts

Bilder medizinischen Inhalts waren in der niederländischen Malerei weit verbreitet, man denke nur an die Anatomiedarstellungen Rembrandts. Im 17. Jahrhundert konnte sich in der niederländischen Genremalerei eine ganz eigene Bildgattung etablieren, die ärztliche Behandlungen zum Inhalt hat. So bildet auch das zahnärztliche Sujet keine Seltenheit innerhalb des erhaltenen Bildbestandes.

Damals herrschte besonders unter den Zahnbehandlern Neid und Zwist und jeder argwöhnte, dass bei bekannt werden ihres ohnehin geringen medizinischen Wissens die Kollegen sich dieses aneignen und man sich damit unliebsame Konkurrenz machen könnte. Daher fand sich kaum jemand bereit, eine auch nur annähernd ausreichende Lehrtätigkeit auszuüben. Die...

[Weiterlesen]
Rainer, Ulrike
414 |

VIER JAHRE ZU SPĂ„T

Kritik zu Mary L. Trump, Ph.D.: Too Much and Never Enough. How my Family Created The World’s Most Dangerous Man.

Wie schrieb der legendäre Liedermacher Woody Guthrie 1954, als er das Pech hatte, in einer Wohnung der Beach Heaven Apartments unterzukommen, die dem alten Fred Trump gehörte:

„Old Man Trump“ / Ich nehme an, / dass der Old Man Trump genau weiß / Wie viel Rassenhass / er im Bluttopf des / menschlichen Herzens / aufrührte, / Als er eine Farblinie zog / Hier in seinem Beach Heaven Familienprojekt./

Eigentlich ein guter Anfang für die Familiengeschichte, oder eher für das Familiendrama, das Mary, die Nichte des gegenwärtigen Besetzers des Weißen Hauses, erzählt. Da ist der grausame, tyrannische und egoistische Vater Fred, Sr., der nichts lieber tut, als andere Menschen, besonders seine Kinder, zu erniedrigen. Seine Frau, die kränkliche und...

[Weiterlesen]
Sollors, Werner
413 |

Edward Steichen in MĂĽnchen:

>>Wir alle – The Family of Man<< in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, 1955

Vor 65 Jahren, vom 19. November bis 18. Dezember 1955, wurde die von Edward Steichen zusammengestellte Foto-Ausstellung The Family of Man, die im Januar des gleichen Jahres im Museum of Modern Art (MoMA) New York mit großem Erfolg eröffnet worden war, unter dem Doppeltitel The Family of Man – Wir alle in München gezeigt.

1955: Es war zehn Jahre nach Kriegsende; in Bayern gab es 45 Zeitungsverlage mit Vollredaktionen; an der Münchner Universität waren 12.000 Studenten immatrikuliert, mehr als je zuvor, darunter ein einziger aus der Ostzone; im Oktober kamen 10.000 Kriegsgefangene aus der Sowjetunion nach Deutschland zurück, und die am Münchner Hauptbahnhof Ankommenden wurden von einer Menschenmenge willkommen geheißen; im Münchener...

[Weiterlesen]
Kiss, Endre
412 |

DER DOPPELTE KOSMOS DES ALEXANDER VON HUMBOLDT

Essay ĂĽber einige Aspekte der Hausgeheimnisse des klassischen Idealismus und ĂĽber die Entstehung einer Philosophie des Konkreten

Der klassische Idealismus, den wir als einen Gesamtprozess von Kants Kritizismus und von postkantianischer Spekulation interpretieren, ist gewiss ein mainstream, ein breiter Weg der Wissenschaft, wie dies Kant an einer Stelle genannt hat. Selbst dieser mainstream weist aber sehr markante und bedeutende Satelliten auf, die sich offensichtlich nicht in die Prozesse der Hauptströmung hineinzwingen lassen, die man aber aus mehreren Gründen auch nicht vernachlässigen darf. Diese Gründe sind traditionell vielfältig. Es geht um die Frage nach der wirklichen Einheit der philosophischen Prozesse, es geht um diverse Wechselwirkungen, es geht um polemische Positionen und letztlich geht es um die stete historische Gleichzeitigkeit von Anstrengungen,...

[Weiterlesen]
Rainer, Ulrike
411 |

John Bolton – Ein Mann von gestern

Ein Blick hinter die Kulissen einer finsteren Macht

Manches Mal sollte man sich ins Feindeslager begeben, auch wenn man danach am liebsten stundenlang unter der Dusche stehen möchte, um den Dreck wegzuschrubben. So geschehen bei der Lektüre von John Boltons sogenannten Memoiren. Wenn man bedenkt, dass der Mann gerade einmal siebzehn Monate als National Security Advisor unter Trump im Amt war, dann staunt man, dass das Buch satte 494 Seiten hat, und mit dem ausführlichen Register sogar auf 577 Seiten kommt. Auf den zweiten Blick wird aber dann klar, warum das so ist. Wenn in fast jedem Satz es um ICH geht und kräftig ins eigene Horn geblasen wird, füllen sich die Seiten wie von selbst. Der Mann hätte von einem guten Lektor profitieren können, denn es gibt auch viel zu viele Wiederholungen.

I...

[Weiterlesen]
Rainer, Ulrike
410 |

Rassismus in den USA

DĂ©jĂ  vu oder brauchen wir wirklich noch eine weitere Kommission?

Wenn ich mir die Bilder anschaue, überkommt mich ein Gefühl von Resignation, um nicht zu sagen von Hoffnungslosigkeit. Das hatten wir doch schon alles. Im Sommer 1965 unterzeichnete Präsident Lyndon B. Johnson den Voting Rights Act.

Ein paar Tage später stand Watts in Flammen. Der Zünder war eine massive Polizeiaktion wegen einer Kleinigkeit. Viertausend Menschen wurden verhaftet und vierunddreißig starben. Damals sorgte die Polizei in Los Angeles effektiv dafür, dass Afro-Amerikaner keine Arbeit bekamen: Für eine geringfügige Verkehrssünde drohte Verhaftung und damit eine Anzeige. Der oder die Betroffenen waren nun vorbestraft und dadurch zu ewiger Arbeitslosigkeit verdammt. Zwei Jahre später blockierten tausende von Polizisten und...

[Weiterlesen]
Rave, Marion
409 |

Der BĂĽcherwurm und seine hungrigen Geschwister

Als Bücherwürmer werden ja gemeinhin die Menschen bezeichnet, die sich hartnäckig und systematisch durch ein Buch nach dem anderen fräsen. In zahlreichen Cartoons wird der Bücherwurm als possierliches, bebrilltes Kerlchen dargestellt, fröhlich winkend aus dem gerade zerstörten Werk. Aber gibt es das wirklich? Schädlinge, die sich durch ganze Regalmeter fressen, eine tunnelförmige Spur der Verwüstung hinterlassend? Einen hochspezialisierten Bücherwurm findet man nicht in der Welt der mitunter lästigen Kleintiere, dafür aber diverse andere Tiere, die durchaus Interesse an gepresster Zellulose, Leim und Leder haben. Niedlich sind sie meistens nicht und der angerichtete Schaden reicht von lästig bis immens, besonders bei größeren und nicht...

[Weiterlesen]