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Kiss, Endre
412 |

DER DOPPELTE KOSMOS DES ALEXANDER VON HUMBOLDT

Essay √ľber einige Aspekte der Hausgeheimnisse des klassischen Idealismus und √ľber die Entstehung einer Philosophie des Konkreten

Der klassische Idealismus, den wir als einen Gesamtprozess von Kants Kritizismus und von postkantianischer Spekulation interpretieren, ist gewiss ein mainstream, ein breiter Weg der Wissenschaft, wie dies Kant an einer Stelle genannt hat. Selbst dieser mainstream weist aber sehr markante und bedeutende Satelliten auf, die sich offensichtlich nicht in die Prozesse der Hauptstr√∂mung hineinzwingen lassen, die man aber aus mehreren Gr√ľnden auch nicht vernachl√§ssigen darf. Diese Gr√ľnde sind traditionell vielf√§ltig. Es geht um die Frage nach der wirklichen Einheit der philosophischen Prozesse, es geht um diverse Wechselwirkungen, es geht um polemische Positionen und letztlich geht es um die stete historische Gleichzeitigkeit von Anstrengungen,...

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Rainer, Ulrike
411 |

John Bolton ‚Äď Ein Mann von gestern

Ein Blick hinter die Kulissen einer finsteren Macht

Manches Mal sollte man sich ins Feindeslager begeben, auch wenn man danach am liebsten stundenlang unter der Dusche stehen m√∂chte, um den Dreck wegzuschrubben. So geschehen bei der Lekt√ľre von John Boltons sogenannten Memoiren. Wenn man bedenkt, dass der Mann gerade einmal siebzehn Monate als National Security Advisor unter Trump im Amt war, dann staunt man, dass das Buch satte 494 Seiten hat, und mit dem ausf√ľhrlichen Register sogar auf 577 Seiten kommt. Auf den zweiten Blick wird aber dann klar, warum das so ist. Wenn in fast jedem Satz es um ICH geht und kr√§ftig ins eigene Horn geblasen wird, f√ľllen sich die Seiten wie von selbst. Der Mann h√§tte von einem guten Lektor profitieren k√∂nnen, denn es gibt auch viel zu viele Wiederholungen.

I...

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Rainer, Ulrike
410 |

Rassismus in den USA

Déjà vu oder brauchen wir wirklich noch eine weitere Kommission?

Wenn ich mir die Bilder anschaue, √ľberkommt mich ein Gef√ľhl von Resignation, um nicht zu sagen von Hoffnungslosigkeit. Das hatten wir doch schon alles. Im Sommer 1965 unterzeichnete Pr√§sident Lyndon B. Johnson den Voting Rights Act.

Ein paar Tage sp√§ter stand Watts in Flammen. Der Z√ľnder war eine massive Polizeiaktion wegen einer Kleinigkeit. Viertausend Menschen wurden verhaftet und vierunddrei√üig starben. Damals sorgte die Polizei in Los Angeles effektiv daf√ľr, dass Afro-Amerikaner keine Arbeit bekamen: F√ľr eine geringf√ľgige Verkehrss√ľnde drohte Verhaftung und damit eine Anzeige. Der oder die Betroffenen waren nun vorbestraft und dadurch zu ewiger Arbeitslosigkeit verdammt. Zwei Jahre sp√§ter blockierten tausende von Polizisten und...

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Rave, Marion
409 |

Der B√ľcherwurm und seine hungrigen Geschwister

Als B√ľcherw√ľrmer werden ja gemeinhin die Menschen bezeichnet, die sich hartn√§ckig und systematisch durch ein Buch nach dem anderen fr√§sen. In zahlreichen Cartoons wird der B√ľcherwurm als possierliches, bebrilltes Kerlchen dargestellt, fr√∂hlich winkend aus dem gerade zerst√∂rten Werk. Aber gibt es das wirklich? Sch√§dlinge, die sich durch ganze Regalmeter fressen, eine tunnelf√∂rmige Spur der Verw√ľstung hinterlassend? Einen hochspezialisierten B√ľcherwurm findet man nicht in der Welt der mitunter l√§stigen Kleintiere, daf√ľr aber diverse andere Tiere, die durchaus Interesse an gepresster Zellulose, Leim und Leder haben. Niedlich sind sie meistens nicht und der angerichtete Schaden reicht von l√§stig bis immens, besonders bei gr√∂√üeren und nicht...

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Helga Schubert und der Bachmann-Preis, meine Großtante Hanna und ich

Als ich unter den Autoren und Autorinnen, die beim diesj√§hrigen Bachmann-Wettbewerb lesen w√ľrden, auch Helga Schubert fand, war ich √ľberrascht. Nicht nur, weil die Autorin mittlerweile 80 Jahre alt ist, sondern vor allem deshalb, weil ich von ihr bereits in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts erste Texte gelesen hatte. Die Autorin geh√∂rte zu den drei Helgas, Helga K√∂nigsdorf, Helga Sch√ľtz und sie, die ich damals neben Christa Wolf, Brigitte Reimann, Irmtraud Morgner und Maxie Wander gern las, weil sie st√§rker √ľber die weibliche als die m√§nnliche Seite der Welt schrieben. Die interessierte mich damals mehr, entsprach auch eher meiner eigenen Befindlichkeit in der DDR.

Jahrzehnte hatte ich nichts mehr von Helga Schubert gehört oder...

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Layne, Priscilla
407 |

UNLIKELY COUSINS

Inszenierungen von Blackness in deutschen Hip Hop- und antirassistischen Skinhead-Szenen

In diesem Beitrag möchte ich mich mit zwei deutschen Szenen auseinandersetzen, die sich beide jeweils rund um musikalische Genres entwickelt haben, die in Kulturen der afrikanischen Diaspora verwurzelt sind: HipHop- und antirassistische Skinhead-Szenen. Oberflächlich betrachtet erscheint es kaum möglich, deutsche HipHop-Fans und antirassistische Skinheads in Einklang zu bringen. Dabei gibt es in den Vereinigten Staaten auffallende stilistische Überschneidungen der Szenen, beispielsweise Skinheads, die HipHop hören, Baggy-Kleidung und Sporttrikots tragen. In Deutschland scheint es zwischen antirassistischen Skinheads und HipHop-Fans keinerlei Verbindung zu geben. Sie kleiden sich unterschiedlich, hören unterschiedliche Musikgenres und...

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EINE REISE NACH CZERNOWITZ

Im Mai 1973 besuchte ich mit einem Freund den Dichter Peter Garstecki in Barth, einer kleinen Stadt an der Ostsee. Auf dem winzigen Balkon der von Garstecki und seiner Familie bewohnten Neubauwohnung las ich erstmals Gedichte von Paul Celan, nachdem uns der Gastgeber von seinem Lieblingsdichter Celan und der kurzen Begegnung mit ihm erzählt und mich neugierig auf dessen Lyrik gemacht hatte. Ich begann zu lesen und versank alsbald in die mir unbekannte, fremdartige und faszinierende Lyrik Celans. Zum ersten Mal las ich auch den Namen Czernowitz, Geburtsstadt Celans, in der seine Lyrik ihren Anfang genommen hatte. Jahre später begegnete ich ersten Gedichten von Rose Ausländer und Selma Meerbaum-Eisinger, und beide Lyrikerinnen waren ebenfalls...

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Rainer, Ulrike
405 |

WAS IST SCHON EINE NUMMER ?

Die Verluste

Die 58.220 Soldaten, die während des zwanzigjährigen Vietnam Kriegs starben, haben ihre Namen auf einem großen Monument eingraviert. Sie sollen nicht vergessen werden. An die Menschen, die am 11.09.2001 in den Twin Towers umkamen, wird ebenfalls namentlich erinnert. Wer aber, außer den Angehörigen, setzt den 100.000 Opfern des Corona-19 Virus, die innerhalb von drei Monaten starben, ein Denkmal? Und das Ende ist noch immer nicht in Sicht.

 

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Rainer, Ulrike
404 |

LIFE IN THE UNITED STATES AKTUELL

Corona - Fälle und Tote in den USA

Die Stadt New York mit den verheerenden Opferzahlen stand lange im Mittelpunkt der Diskussion aller Vers√§umnisse. Aber der Gouverneur Andrew Cuomo besch√∂nigte und verschleierte wenigstens nichts. Er mutet den Menschen die Wahrheit zu, und die ist d√ľster.

Die Reichen, die irgendwo auf dem Land ein Ferienhaus besitzen, verließen die Stadt. Einige meiner Nachbarn, deren Kinder in Manhattan arbeiten, holten ihre Sprösslinge nach Hause. Wir wohnen ländlich und sind von Wald umgeben. Distanzhalten ist hier leicht.

Die volle Wucht traf die Armen. Erstens wohnen sie oft als Gro√üfamilien in engen R√§umlichkeiten, zweitens sind die Vorbedingungen f√ľr eine schwere Erkrankung vorgegeben. Sie leiden √∂fter an Diabetes und Herzerkrankungen. Und drittens...

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Dörwald, Uwe
403 |

NEBEN DER RUTE SOLL STETS DER APFEL LIEGEN

Eine Kindheit im konfessionellen Waisenhaus vor 1945

Es gibt nur √§u√üerst sp√§rliches (Forschungs-)Material zur Situation der Heimkinder vor 1945. Da nach 1945, das in der Heimerziehung sicher keine Stunde Null war, weil die Erzieher und Erzieherinnen wahrscheinlich nur die Farbe ihres Hemdes wechselten, von braun wieder zur√ľck zu blau, und weil kein konsequenter Bruch mit den nationalsozialistischen Erziehungsgrunds√§tzen und Erziehungsleitlinien stattgefunden hat, ‚Äď schwarze P√§dagogik gab es noch lange nach Kriegsende ‚Äď, ist stark davon auszugehen, dass Kinderheime lange Zeit totale Institutionen im Sinne von Erving Goffman gewesen sind. Zudem wurde von 1933 bis 1945 mit Sicherheit im Geist der nationalsozialistischen Doktrin erzogen. Dem politischen Einfluss der Nationalsozialisten konnten...

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