Meine eigene Motivation ist es, meinen Platz hier unter meinen Mitmenschen zu finden. Wenn ich mein Zuhause verlasse, folge ich dem Wind, dem Mond und den Wolken, die vielleicht Regen bringen, vielleicht auch nicht. Ich treffe meine Freunde, deren Tage von den Elementen bestimmt werden. Die Berge und Koppies sind mein Kompass – sie geben mir die Gewissheit, dass ich immer meinen Weg finden werde, dass ich Schatten und Schutz finden werde wie so viele, die vor mir kamen. - M. Courtney-Clarke
So gut wie jede/r hat heute eine Kamera und knipst. Die Kamera verlangt von ihrem Besitzer, insbesondere von jenen, die von ihr besessen sind, immerfort zu knipsen, immer weitere redundante Bilder herzustellen. Die Folge ist ein insbesonders auf den Social-Media-Plattformen ständiger Fluss bewusstlos erzeugter Bilder. Zur Gewohnheit sind uns die meisten Fotos geworden; wir nehmen sie kaum noch wahr. Der Flut an redundanten Bildern informative Bilder entgegenzusetzen, ist und bleibt eine Herausforderung an Fotografinnen und Fotografen.
Eine Fotografin, die diese Herausforderung angenommen hat und meistert, ist die renommierte und international erfolgreiche Fotografin Margaret Courtney-Clarke, die sich mit ihren klaren und berührenden Bildern mit der extremen Dürre in ihrem Heimatland Namibia und deren sozialen und politischen Folgen auseinandersetzt. Ihre Langzeitdokumentation „Geographies of Drought“ ist vom 15. November 2025 bis zum 5. Juli 2026 in ZEPHYR – Raum für Fotografie der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim zu sehen. Courtney-Clarkes Fotografien dokumentieren und porträtieren das Leben und die schwierigen Lebensverhältnisse in einem Land, in dem der existenzgefährdende Wassermangel in vielerlei Hinsicht das Leben und den Alltag der Menschen bestimmt, zum Beispiel auf der Suche nach Schatten.
Namibia gehört zu den trockensten Regionen der Erde und der globale Klimawandel verschärft die Situation. In der Ausstellung sind Fotografien lebensfeindlicher Landschaften zu sehen, Wüste und das Leben in der Wüste. Zäune sind allgegenwärtig, sie zergliedern und begrenzen die Flächen und die Räume, sie schützen das eigene (Klein-)vieh, werden aber auch zu Todesfallen für Wildtiere auf der Suche nach Wasser.
Die Fotografien von Courtney-Clarke erzählen vom kargen und entbehrungsreichen Leben des armen Teils der Bevölkerung. Der Zugang dieser Menschen zu sanitären Einrichtungen ist so gut wie nicht gegeben, ebenso wenig ihr Zugang zu Bildung, Gesundheit oder Lebensstandard. Es sind kleine Behelfsbehausungen, in denen gewohnt und gelebt wird. - Die Fotografien zeigen aber auch – neben allen ökologischen und sozialen Problemen – die Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft der Menschen als Schlüssel zum Überleben. Dabei spielt die Gemeinschaft eine entscheidende Rolle, allen voran die Resilienz und der Einfallsreichtum der Frauen.
Courtney-Clarke möchte mit ihren Fotografien neben anderen Motiven den Betrachter provozieren und visuelle Klischees in Frage stellen, die Namibia als ein ungebändigtes Land voller wilder Tiere und glücklicher „traditioneller“ Einheimischer anpreisen. Das an natürlichen Ressourcen reiche Land – 85% des gesamten Landes sind durch Bergbaukonzessionen gesichert – ermöglicht wenigen Menschen (extremen) Reichtum, der zu weiterer Gier und neokolonialer Ausbeutung führt, und für die meisten Menschen Armut bedeutet sowie eine Bedrohung traditioneller Lebensgrundlagen und der sozialen Sicherheit. Courtney-Clarkes Fotografien lenken den Blick auf Missstände: „Meine Fotografie entsteht an dem Punkt, an dem Freiheit auf Verantwortung, Rationalität auf Fantasie und das Selbst auf den Anderen trifft. Ich muss fotografieren, was niemand zu sehen scheint.“
Als Resultat dieses Antriebs kann man die 120 im REM gezeigten Fotografien der vielfach ausgezeichneten Fotografin Margaret Courtney-Clarke verstehen.
Neben den Fotografien von Courtney-Clarke ist in der Ausstellung auch eine sehenswerte Auswahl von Fotografien der jungen Künstlerin Rachel Sakeus zu sehen. Ihre Dokumentation „Tura Story“ erzählt aus der Perspektive einer Insiderin vom Leben des vor den Toren von Windhoek gelegenen Township Katutura.





