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Selbstkonzept und Selbstwertgefühl im sozialen Kontext - von Marion Randhawa, Duisburg -
Im Rahmen meiner Diplomprüfung im Fach Sozialpsychologie an der Ruhr- Universität Bochum (Oktober 2004) zum Thema: Selbstkonzept (SK) und Selbstwertgefühl (SWG) im sozialen Kontext habe ich folgende Studien vorgestellt:
Vorerst werde ich auf die in den Studien zentralen Konstrukte
eingehen.
Differenziert werden kann
zwischen einer deskriptiven Komponente, dem SK und einer evaluativen Komponente,
dem SWG.
Wells & Marwell (1976) schlagen vor, dass das SK als ein subjektives Bild der eigenen Person
oder als eine subjektive Theorie über die eigene Person
bezeichnet werden kann.
Fillip & Frey (1998) sehen in der
Selbstwahrnehmung, der sozialen Rückmeldung
und in den sozialen Vergleichsprozessen
wichtige Informationsquellen für die Selbstbewertung.
Was ist die inhaltliche Basis der Selbstbewertung? In Arbeiten zum SK im Kultur- oder Geschlechtervergleich wurde z.B. von Markus & Kitayama (1991) zwischen independentem und interdependentem SK differenziert. Menschen mit independentem SK definieren ihr Selbst durch Betonung
positiver Besonderheiten, durch die sie sich von anderen unterscheiden.
Individuelle Leistungen haben hier eine wichtige Bedeutung. Personen mit interdependentem SK definieren ihr Selbst durch Betonung
von Gemeinsamkeiten und Verbundenheit mit anderen Menschen. Selbstdarstellung bedeutet, dass man versucht, die Eindrücke,
die man auf andere macht, zu kontrollieren. Tedeschi & Norman (1985) unterscheiden zwischen den Versuchen, bestimmte Selbstbilder aufzubauen, der assertiven SD, von Versuchen, diese Selbstbilder zu verteidigen, der defensiven SD. Nach Caldini & Richardson (1980) kann man positive Eindrücke
auch dadurch anstreben, in dem man sich mit positiv bewerteten Dritten
assoziiert oder Dritte abwertet und sich diesen so überlegen zeigt.
Im Rahmen von 4 Studien wurde folgender Frage nachgegangen: In jeder Studie war jeweils eine SD- Strategie zentral: hierbei ging es um assertive SD, indirekte SD, defensive SD und dem Eingeständnis von Fehlern bzw. Schwächen. Zwei Studien wurden an einer Universität in Süddeutschland, zwei an einer Uni in Nordamerika durchgeführt. Die Teilnehmer waren zwischen 20 und 25 Jahre alt, alle waren Studienanfänger im Fach Psychologie. Die Stichproben setzten sich aus Männern und Frauen zusammen, ausgenommen von der Stichprobe der zweiten Studie, die ausschließlich aus Frauen bestand. Anhand ihrer Scores auf einer SW- Skala (entweder Selbstwert-
Skala von Fleming & Courtney oder Frankfurter Selbstkonzeptskala
von Deusinger) wurden alle Probanden der Gruppe mit relativ hohem oder
der Gruppe mit relativ niedrigem SW zugewiesen. In allen Studien fand die autobiographische Methode, ein von
Baumeister und Mitarbeitern entwickeltem Verfahren zur Erfassung von
SD- Motiven, Anwendung. Jeder Versuchsteilnehmer wurde gebeten, einen
detaillierten Bericht über ein bestimmtes Erlebnis aufzuschreiben,
die genaue Aufgabenstellung variierte unter den Studien. Alle Berichte wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse codiert Beim Vorstellen der Hypothese und der Ergebnisse werde ich mich auf
die Studie 2 konzentrieren, in der es um die indirekte SD geht.
Wie beschreiben Personen ihren Partner?
Die Probanden wurden gebeten, sich selbst und ihren Partner zu beschreiben
und sich mit ihrem Partner zu vergleichen. Aus der Anzahl negativer Aussagen im Verhältnis zur Gesamtzahl
positiver und negativer Aussagen ergab sich die erste abhängige
Variable (AV)= relative Negativität.
Folgende zwei Punkte aus der Diskussion möchte ich aufgreifen:
2. Die Probanden sind alle recht jung. Da das SK und das SWG stark durch Lebensumstände und altersbedingte Rollen geprägt wird, sollte diese Untersuchung mit Personen mit entsprechenden Merkmalen durchgeführt werden. Pöhlmann, Hannover et al. (2002): Independente und interdependente Selbstkonzepte als Determinanten des Selbstwertes In früheren Untersuchungen erzielten Menschen mit independentem SK einen höheren SW- Score als Personen mit interdependentem SK. Pöhlmann, Hannover und Mitarbeiter nehmen an, dass dieser Unterschied
nur scheinbar besteht und darauf zurückzuführen ist, dass
die herkömmlichen SW- Meßinstrumente nur Bereiche erfassen,
die insbesondere für Menschen mit independentem SK wichtig sind.
Die Probanden (Stichprobe: 222 männliche und weibliche Studenten
der TU-Berlin und der Uni Dortmund) wurde anhand ihrer Scores auf der
Self-Construal Scale von Singelis den Gruppen independentes und interdependentes
SK zugeteilt.
Eigentlich würde man erwarten, dass interdependente Personen einen
höheren SW- Score auf einer interdependenten Subskala erzielen
als Personen mit independentem SK. Markus & Kitayama konnten in ihren Studien aufzeigen, dass Menschen
in Abhängigkeit von ihrem SK unterschiedliche SD- Motive verfolgen. Um den Einfluß kulturabhängiger SD- Motive auszuschließen,
arbeiteten Pöhlmann et al. in einer weiteren Studie mit dem impliziten
SW-Maß von Kitayama et al.. Mit einer Stichprobe von 62 männlichen und weiblichen Studenten der TU-Berlin, die anhand ihrer Scores auf der Singelis- SK- Skala den beiden SK-Gruppen zugewiesen wurden, wurde der implizite SW von Personen mit independentem SK und mit interdependentem SK verglichen. Es zeigte sich, dass beide Personengruppen positive Selbstbewertungen vornahmen. Der SW der interdependenten Personen war nicht niedriger. Anhand von Partialkorrelationen wurden die differentiellen Zusammenhänge
zwischen den impliziten SW- Maßen
Aus der Diskussion möchte ich folgende Punkte nennen: Die Ergebnisse der Studien von Schütz und Pöhlmann und Mitarbeiter regen dazu an, zum einen die SD in Verbindung mit einem hohen SW in Bezug auf seine soziale Verträglichkeit und zum anderen, die Messung des Selbstwertes differenzierter zu betrachten.
Pöhlmann et al. machen mit ihrer Studie deutlich, dass die Testkonstruktion
für SW- Messinstrumente weiterentwickelt werden sollte.
Schütz, A. (1997). Interpersonelle Aspekte des Selbstwertgefühls: Die Beschreibung der eigenen Person im sozialen Kontext. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 28, 92- 108. Pöhlmann, C., Hannover, B., Kühnen, U. & Birkner, N. (2002). Independente und interdependente Selbstkonzepte als Determinanten des Selbstwerts. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 33, 111- 121. Grundlagentexte: Schütz, A. (200). Das Selbstwertgefühl als soziales Konstrukt: Befunde und Wege der Erfassung. In W. Greve (Hrsg.), Psychologie des Selbst (189- 207). Weinheim: Psychologie Verlagsunion. |
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