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284 | 02.10.2017

Essay über die neue Globalisation


Um die aktuellen und, wie gesagt, „alltäglichen” Prozesse im allgemeinen Sinne des Wortes (es geht also keineswegs um hermeneutische Spitzfindigkeiten angesichts extrem komplexer Tatbestände) zu verstehen, sollten die gewöhnlichen Akteure unserer Zeit ein Zeitalter sich vergegenwärtigen, das aus unendlich vielen kleinen Facetten besteht, weit auf dem ganzen Globus verstreut geschieht, auf vielen Sprachen läuft und aufgearbeitet wird, wegen des enormen Ausmasses der Informationsmengen überhaupt nicht begreifbar ist, dazu noch im Kontext einer Vielheit alter und neuer, bekannter und noch unerkannter Ideologien konzeptualisiert wird.

Das ist aber noch nicht alles.

Man kann mit gutem Recht vorausschicken (angesichts der umfassenden hermeneutischen Notwendigkeiten, „antizipieren”), dass diese konkrete Gegenwart, dieser konkrete Zustand der Globalisation extrem komplex, ferner historisch präzedenzlos existiert, zahlreiche Fakten hinter der Oberfläche versteckt sind (zum Teil unbeabsichtigt wegen des enormen Ausmasses des Informationsverkehrs, zum Teil willentlich, wegen partikulären Interessen, zum Teil aber auch wegen der juristischen Grosszügigkeit der weit angesetzten persönlichen Rechte).

Die konkrete Gegenwart wird von zahlreichen Momenten, Fakten und vielfachen weiteren Realprozessen reproduziert, die der Grundgesinnung der letzten dreissig Jahre entgegenstehen. In diesem Zeitalter (um mit einer gewissen Vereinfachung die These übersichtlich zu machen, wir würden den Anfang dieser welthistorischen Periode auf 1989 setzen) war es dem Bürger der Weltgeschichte möglich gemacht, sich auch längerfristig mit der führenden Linie der Geschichte zu identifizieren. Nach langen und qualvollen historischen Perioden erfolgte diese grundsätzliche Modifizierung der sozialen Grundgesinnung, in denen dieser Bürger der Weltgeschichte sich gegen den Mainstream stemmen musste, in denen er seine Grundwerte stets mit den grössten Opfern verwirklichen konnte und – es wäre unmoralisch, darüber zu schweigen - in denen er oft für sein nacktes Überleben kämpfen musste.

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