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Die Bundesagentur für Arbeit schickt Kommunikations- und Bewerbungstrainer in Bewerbungstrainings, um deren Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Wenn diese Personen sich - aus guten Gründen - weigern würden, an einem solchen Training teilzunehmen, dann droht ihnen die Kürzung des Arbeitslosengeldes. Wir sind der Meinung, dass dieses Vorgehen der Arbeitsagentur von Hilflosigkeit zeugt und den betroffenen Menschen gegenüber zynisch ist. Es hilft dem angesprochenen Personenkreis in keiner Weise, einen neuen Arbeitsplatz zu finden oder ihre Bewerbungschancen zu verbessern. Die Ausschreibungspraxis der Arbeitsagentur von Maßnahmen, die Jugendlichen helfen sollen, sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren, führt stellenweise dazu, dass Bildungsträger, die in der Vergangenheit gut gearbeitet haben und soziales Engagement gezeigt haben, bei der Vergabe dieser Maßnahmen nicht mehr berücksichtigt werden (können) - denn Qualität kostet Geld. Dies bedeutet aber auch, dass bei der Vergabe der Maßnahmen nicht mehr die ERFAHRUNG bei der Durchführung dieser Maßnahmen die entscheidende Rolle spielt, sondern einzig der Preis. Auf diese Weise werden vorhandene intakte regionale Strukturen zerstört. Nicht mehr die QUALITÄT, sondern die KOSTENERSPARNIS ist mithin das entscheidende Kriterium. Das BILLIGERE ist in der Logik der Arbeitsagentur also auch das BESSERE! Auch diese Praxis halten wir für zynisch - sowohl gegenüber den Jugendlichen und Auszubildenden als auch gegenüber den Mitarbeitern von Bildungsträgern, die die entsprechenden Ressourcen haben und sich lange Zeit - auch mit einem starken sozialen Engagement - für benachteiligte Jugendliche und Auszubildende eingesetzt haben.
Als Hintergrund ein Ausschnitt aus dem sehr empfehlenswerten Buch Der Terror der Ökonomie von Viviane Forrester: "Nicht die Arbeitslosigkeit für sich genommen ist das Verhängnisvollste, sondern das Leid, das sie hervorruft und das zum großen Teile daraus resultiert, daß der Begriff nicht mehr dem entspricht, was er charakterisiert; der Begriff >>Arbeitslosigkeit<< vermittelt etwas, was zwar nicht mehr gilt, aber noch immer ihren Status bestimmt. Das gegenwärtige Phänomen Arbeitslosigkeit entspricht nicht mehr dem, was das Wort bezeichnet - das aber wird nicht berücksichtigt. Vor dem Abbild einer untergegangenen Vergangenheit maßt man sich an, Lösungen zu finden, und urteilt über die Arbeitslosen. Der heutige Zustand, der noch immer >>Arbeitslosigkeit<< heißt, ist in Wirklichkeit noch nie erfaßt, nie definiert und daher auch nie in Betracht gezogen worden. In Wirklichkeit ist nie die Rede davon, was mit den Begriffen >>Arbeitslosigkeit<< und >>Arbeitsloser<< eigentlich bezeichnet wird. Selbst wenn es heißt, dieses Problem stehe im Zentrum der allgemeinen Besorgnis, wird das wirkliche Phänomen doch ignoriert. Ein Arbeitsloser ist heute nicht mehr Objekt einer vorübergehenden Ausgliederung aus dem Wirtschaftsprozeß, die nur einzelne Sektoren betrifft, nein, er ist Teil eines allgemeinen Zusammenbruchs, eines Phänomens, das mit Sturmfluten, Hurrikans oder Wirbelstürmen vergleichbar ist, die auf niemanden abzielen und denen niemand Widerstand entgegensetzen kann. Er ist Opfer einer globalen Logik, die die Abschaffung dessen erfordert, was >>Arbeit<< genannt wird, das heißt Abschaffung der Arbeitsplätze. Sozialpolitik und Wirtschaft tun jedoch noch immer so, als würden sie auf Wechselbeziehungen aufbauen, die auf Arbeit gegründet sind. Diese ist aber nicht mehr vorhanden - und die so entstehende Diskrepanz hat unerbittliche Auswirkungen. Die Opfer dieses Verschwindens, die Beschäftigungslosen, werden nach denselben Kriterien behandelt und beurteilt wie zu der Zeit, als es Beschäftigung in Hülle und Fülle gab. Bei ihnen werden Schuldgefühle geweckt: Sie fühlen sich schuldig an der Tatsache, der Arbeit beraubt, um sie betrogen worden zu sein; sie werden von trügerischen Versprechen eingelullt, die den schon bald wieder aufblühenden früheren Reichtum an Arbeit prophezeien und verkünden, die von widrigen Umständen hart bedrängte Konjunktur sei bald wieder in Ordnung gebracht. [.......]" Die "Aufgabe der Politiker, der Gefangenen des kurzfristigen Denkens und Planens", wäre es, nachhaltige Lösungen zu suchen. - "Man wird sich hüten (müssen), sie (=die Politik) von ihren Versprechen zu entbinden." |
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