BROSE, Thomas
188 | Januar 2015

METROPOLIS als Dokument der Moderne

Über Glaube, Gesellschaft und Großstadtleben


Metropolis, der berühmteste aller deutschen Filme, ist ein einzigartiges Dokument der Moderne. Er inszeniert eine Zukunftswelt, bezieht sich im Kern jedoch auf die jüdisch-christliche Tradition und zeigt dabei, dass sich das Schicksal urbaner Ballungsräume und Agglomerationen nicht zuletzt im ethisch-religiösen Bereich entscheidet. In den Megacitys von heute und morgen geht es ums Ganze. Wie ein Magnet hat der Film Metropolis die geistigen Energien einer ganzen Epoche an sich gezogen, miteinander reagieren lassen und dabei die Vision einer gewaltigen Megalopolis hervorgebracht. In ihr ragen Wolkenkratzer gen Himmel, Flugzeuge kreisen über der City, Autos durchfluten die Straßen, Hochbahnen schlängeln sich über gewagte Brückenkonstruktionen. Alles ist auf Effizienz ausgerichtet. Metropolis’ Skyline ist längst nicht mehr – wie in traditionellen Metropolen – von Kirchen und Kathedralen geprägt, sondern wird von einem gigantischen Monument beherrscht: dem Neuen Turm Babel. Dass der berühmteste aller deutschen Kinofilme nach seiner Uraufführung im Jahr 1927 Anfang 2010 seine zweite Weltpremiere erlebte, ist – bisher wissenschaftlich kaum gewürdigt – ein geistiges Ereignis ersten Ranges. Denn seine Wiederaufführung vor dem Brandenburger Tor mitten im Kraftfeld des wiedervereinigten Berlin enthält eine anthropologische, sozialethische sowie philosophisch-theologische Signatur, die es für den Diskurs der Gegenwart zu entziffern gilt. [mehr]
Dörwald, Uwe
187 | November 2014

Digitalien wird überbewertet

Besprechung zu Valentin Groebner: Wissenschaftssprache digital.


"... diejenigen, die frei sind, reden nicht davon. Die machen einfach ihr Zeug." Mit diesem Statement endet das Buch von Valentin Groebner, der sich als Historiker und damit aus einer Langzeitperspektive mit dem Nachteil und Nutzen der digitalen Informationskanäle befasst. Dabei wirft er immer auch einen Blick auf das Verhalten der Nutzer und auf den Weg der Informationsgewinnung im Netz. Und er zeigt, dass die Minimierung der Informationsgewinnungskosten durch den Gebrauch der digitalen Informationskanäle ein nicht eingelöstes Versprechen einer neuen Technologie ist. [mehr]
Rainer, Ulrike
186 | Oktober 2014

Life in the United States - 8

Connecticut - der erfinderische Staat


Vielleicht ist es das extrem launische Wetter, das für den sprichwörtlichen Erfindergeist der Connecticut Yankees verantwortlich ist, wie schon Mark Twain feststellte. Wir haben es auf alle Fälle mit einem Staat zu tun, in dem ein gutes Klima für Erfinder zu herrschen scheint. Erwähnt seien Goodyear (Reifen), William Gray (Münztelefon) oder die Herren Smith and Wesson. Connecticut ist ein Staat, der gut am Flugzeug-, Hubschrauber und U-Boot verdient(e). Und im Bildungssektor ist die YALE UNIVERSITY in New Haven eine Art Leuchtturm. [mehr]
Dimmers, Jan
185 | September 2014

Auf der Suche nach der verlorenen Unschuld

Über DER FALL von Albert Camus


"Als Mitarbeiter aus den Niederlanden schreibe ich jetzt über DER FALL von Albert Camus. Der Grund dafür ist, dass das Buch in Amsterdam spielt. Ich wohne dort seit 42 Jahren. Im Buch wird Amsterdam mit Dantes Hölle verglichen. Höchste Zeit also für eine Auseinandersetzung. - Die beste Gelegenheit dazu ist der 10.te Geburtstag von schwarz-auf-weiss" Mit diesen Worten beginnt Jan Dimmers seinen Essay zu Camus, aus dem wir neben anderen Erkenntnissen auch die entnehmen, dass ein Wachloder ein Lichtblick in der Düsternis des Lebens sein kann und dass man in der Kneipe anders redet als im Auditorium. Texte sind also nicht nur für (altkluge) Literaturkritiker, sondern in erster Linie für Leser da. [mehr]
Hoppe-Dörwald, Dorothea
184 | September 2014

WEIT VOM STAMM

Wenn Kinder ganz anders als ihre Eltern sind


In WEIT VOM STAMM befasst sich Solomon in zehn Kapiteln ausführlich mit zehn unterschiedlichen Formen der Andersartigkeit von Kindern und damit, wie Familien mit dieser zurecht kommen. Gehörlosigkeit, Kleinwuchs, Down-Syndrom, Autismus, Schizophrenie, Behinderung, Wunderkinder, Vergewaltigung, Kriminalität und Transgender sind die Phänomene, die eingehend und in ihrer Vielfalt beschrieben werden. Durch die genauen und offenen Berichte werden die Behinderungen erlebbar und machen uns, als Leser, bescheidener, scheint doch ein gesundes Leben plötzlich äußerst leicht. [mehr]