Hoppe, Felicitas
183 | August 2014

Vergissmeinnicht

Vom Bleiben und Verschwinden im digitalen Zeitalter


„Ich bin dann mal weg!“ Davon träumt im Sommer kurzfristig jeder. Aber auch der Sommer hält längst nicht mehr, was er verspricht. Sommerpause, Sommerfrische, Sommerhäuser und Sommergäste – das alles ist, falls es jemals mehr war, inzwischen schöne Literatur geworden. Dort allerdings, in der Nische des Schönen, haben die alten Phantasien vom guten bürgerlichen Leben nach wie vor Hochkonjunktur. Denn sie beflügeln unseren Wunsch nach dem richtigen Dasein, unsere Vorstellung von Freiheit und Atemholen, von Eigenleben und Privatsphäre, unseren Glauben daran, es wäre noch möglich, einfach die Läden herunterzulassen, sich aus dem Staub zu machen, um ans Meer, in die Berge, ins Umland zu verschwinden. Endlich ungestört sein, kurzfristig für nichts und niemand erreichbar, sich den wirklich wichtigen Dingen widmen. Aber wer weiß schon, was wirklich wichtig ist?... --- Der Text erschien zuerst am 10.08.2014 im Hörfunk, in der Sendung "Gedanken zur Zeit" bei NDR-KULTUR. [mehr]
Rainer, Ulrike
182 | Juni 2014

Life in the United States - 7

Imperium des Südens: Georgia


In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart versuchte man mit ziemlichem Erfolg, den Staat, in dem die Landwirtschaft vorherrschte, zu modernisieren. Die Häfen Savannah und Brunswick wurden erneuert.  Militärstützpunkte sind gut für das Geschäft. Der 1980 fertiggestellte William B. Hartsfield Internationale Flughafen  und das World Congress Center locken Menschen aus aller Welt an. Billige Immobilien und niedrige Steuern taten das ihre. Atlanta wurde zur Metropole für Versicherungen, Makler und Banken. 1996 war die Stadt stolzer Gastgeber der Olympischen Sommerspiele. 2008 gingen die 16 Wahlmänner an John McCain und 2012 an Mitt Romney. Für einen schwarzen Präsidenten reichte es eben doch noch nicht. [mehr]
HOPPE, Felicitas
181 | April 2014

The German Tragic

Über Rattenfänger, Helden und Heilige


Am 13.03.2014 hielt Felicitas HOPPE am GOETHE-INSTITUT in BOSTON die Keynote Address zum Auftakt der Konferenz "Tragedy and the Tragic in German Literature, Art, and Thought." Das Buch 'The German Tragic' erscheint voraussichtlich im Herbst 2014 bei CANDEM HOUSE. Herausgeber des Buches sind Steven Dowden und Thomas Quinn. Der hier publizierte deutsche Text der KEYNOTE ADDRESS von Felicitas HOPPE erscheint im Buch in der englischen Übersetzung von Steven Dowden. Was die Büchner-Preisträgerin 2012 zum Tragischen zu sagen hat, lesen Sie jetzt bei uns. [mehr]
Schulte, Christoph
180 | Februar 2014

Die Lehrmeisterin

Was ergibt sich für uns heute aus den Erfahrungen der Geschichte(n)?


Christoph Schulte geht der Frage nach, ob und wie wir aus den Erfahrungen der Geschichte lernen (können). Nutzen uns Vergleiche mit früher überhaupt, um heute verantwortlich handeln zu können? Gibt es überhaupt die "Geschichte an und für sich"? Geschichte wiederholt sich nicht, Geschichte ist Vergangenheit. Trotzdem wird Geschichte immer wieder neu und auch in Bezug auf die Gegenwart (aus)gedeutet. Was ist, wenn Geschichte eine Modelliermasse ist? Wie verlässlich ist sie dann noch und kann man aus ihr lernen? Mit freundlicher Genehmigung von Christ in der Gegenwart und Christoph Schulte bringen wir den Beitrag "Die Lehrmeisterin". Quelle: CHRIST IN DER GEGENWART (Nr. 8/2014, www.christ-in-der-gegenwart.de) [mehr]
Egert, Andreas
179 | Januar 2014

Von der Historie des aphoristischen Denkens

Zur Gattungsproblematik des Aphorismus


Der Aphorismus als [...] Stiefkind der literarischen Gattungen, als ästhetischer Wider-Spruch, gerät [...] immer weiter unter die Räder einer fortschreitenden intellektuellen Bankrotterklärung, bei der eine nahezu barbarische Forschungsspezialisierung  nicht mehr über bloße Einzelinteressen und Froschperspektiven herauskommt, im Nützlichkeitsdenken befangen bleibt und folgerichtig unter dem Diktat des homo oeconomicus darbt: wo Universitäten waren, sind nur noch Fachhochschulen, wo Bildung war, ist nur noch Ausbildung, wo Journalismus war, ist PR oder IR (heute noch wichtiger: investors relationships), wo literarische Gattungen waren, ist nur noch der Roman. Hier leistet der Aphoristiker auch über seinen Zenit hinaus Widerstand und hält den universellen Anspruch und Konflikt aus, der auch ein Denkkeim „zwischen der Unmittelbarkeit der Erfahrung und dem sie reflektierenden Gedanken“ bleibt , weil er eben zwischen dem subjektiven Einzelnem, Erfahrenem und dem Universalistischen, Allgemeinen einerseits und dem Gleichen und dem Ähnlichen andererseits denkerisch vermittelt: und zwar obwohl er auch das mögliche Scheitern des Denkens mitdenkt  - ohne aber einfache und  falsche Konsequenzen zu ziehen.
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