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Kuhmist – ein verträumter Blick aus dem Zeitfenster im Sommer 2006 - von Dorothea Hoppe-Dörwald Kuhmist ist die deutsche Übersetzung eines Phänomens, welches sich als Bullshit einen Namen gemacht hat. Schon klar, es muss auf Englisch daher kommen, denn wer spielt schon gerne Kuhmist-Bingo. Und doch, Bullshit entspricht unserer anglistischen Sprachanpassung aufs Beste, und Bullshit-Bingo hat Käsekästchen, Schiffe versenken und Tic Tac Toe den Rang abgelaufen, in ranghohen Managerbüros wird es täglich gespielt, (www.familie-ahlers.de/witze/bullshit_bingo.html) immer auf der Suche und mit dem Ziel, die synergetisch hoch ergiebigen Meetings, Teamsitzungen und auch die ganz banalen Besprechungen etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Der hermeneutische Prozess, mit dem Anliegen gleichberechtigte Austauschgremien zu etablieren, um so den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, dass man sie hört und ihre Bedürfnisse ernst nimmt, dient der Verbesserung des Betriebsklimas, erhöht die psychische Gesundheit und befreit die Kollegen von Aggressionsstaus jeglicher Art. Sage, was dich stört, sprich mit deinem Nachbarn, das gehört zu einer ausgewogenen Psychohygiene dazu. Jeder sollte seinen soziokulturellen Kontext stets im Bewusstsein haben, dabei aber bitte keine schlafenden Hunde wecken. Jeder hat seinen Platz. Kuhmist hat es unlängst auch geschafft, eine kleine Spalte in der „ZEIT“ zu füllen und das Büchlein von Herrn Frankfurt hat das seine auf der Bildungs-Ebene dazu getan, dass der Begriff salonfähig geworden ist. Kuhmist ist ein Synonym für unsere Zeit, in der die Menschen Zeitfenster öffnen, schließen, zeitnahe Lösungen suchen, aber wenn diese sich nicht finden lassen, dann ist das nicht so schlimm, das nächste Zeitfenster öffnet sich sicherlich bald wieder ganz von selbst, das Problem muss nur richtig kommuniziert werden. Zielführend muss hierbei immer der bilaterale Prozess bleiben, der sich auch asynchron, orts- und zeitunabhängig erschließt. Die Menschen, die auf ihren Zeitverträgen wippend wie auf Sprungbrettern, immer das kühle Nass im Auge haben, und die Sorge um eine Bauchlandung verdrängen, müssen eine hohe Identität mit ihrem Unternehmen aufbauen und in der Lage sein, ein Gefühl von wertschöpfendem Handeln zu entwickeln. Aber wir leben ja in einer flexiblen Welt, das heißt, der ganz normale Arbeitnehmer hat eine Verweildauer innerhalb eines Unternehmens von 1-3 Jahren. Somit steigt die Chance ein wahrer Flexibilitätskünstler zu werden proportional mit der Fähigkeit, schnell eine Identifikation mit der Firma, in der man gerade ist, aufzubauen. In jedem Ende steckt die Chance zu einem Neuanfang. Kooperiert wird überall. Ganz wichtig ist es, dabei die Vision nicht aus dem Blickfeld zu verlieren, wobei sich keiner zu sehr auf die Problematiken fokussieren sollte. Behalten Sie die Wertschöpfungskette im Auge und beginnen Sie bei sich selbst, durch ständiges sich-schlau-machen einen Mehrwert zu erzielen. Vergessen Sie die kritischen Titel aus längst vergangenen Tagen, die da z.B. heißen: „Wir amüsieren uns zu Tode“ oder „Mittelmaß und Wahn“. Wir lernen uns lebenslang zu Tode, in virtuellen Lernwelten, vor, nach, neben und während der Arbeit – und das Mittelmaß hat sich in den Verwaltungsetagen durchgesetzt und breit gemacht. Seit das Bewerbungsschreiben zu einem hoch angesehenen Fulltimejob – sorry – eine anerkannte Vollzeitarbeit geworden ist, seitdem haben wir auch keine Arbeitslosen mehr. Die Kursanbieter arbeiten gewinn- und kundenorientiert, Bewerbungstrainings laufen den Computerkursen den Rang ab, denn Medienkompetenz haben wir uns mittlerweile reichlich angeeignet. Gewand und elegant surfen wir durch Webinare, arbeiten an Wikis und haben auch mit so manchem Blogg unsere Erfahrung gemacht. Die eigenen Texte lösen sich auf in der Gruppenidentität, keiner kann für das geschriebene Wort mehr verantwortlich gemacht werden, das war nicht mehr ich, das waren wir, die Gruppe, das Team, das Kollektiv; die richtige Corporate Identity bringt die Dinge sinnstiftend zusammen. Arbeiten Sie an der visionären Faculty Engagement Strategie. Das ist Mehrwert, Teamwork, konstruktivistische schöne neue Lebenswelt, in der der Einzelne langsam aber sicher mit der Community verheiratet wird, zum Wohle des großen Ganzen. Wir alle müssen lernen, dass wir Global Player sind, wer den Schwarzen Peter hat, sollte sehen, dass er ihn möglichst schnell durch geschicktes Spiel wieder los wird. Und ganz nebenbei: no risk no fun, wir brauchen unsere Chancen, das Risiko ist hoch, der Ball ist rund, versuchen Sie nur den Hut aufzubehalten, führen Sie ihre wichtigen Gespräche immer als 4-Augen-Gespräche, und begeben Sie sich immer auf gleiche Augenhöhe, um eine schnelle Konsensfindung einzuleiten. Drehen Sie ruhig ein paar Extrarunden, manch ein Szenario lässt sich nicht so rasch gewinnbringend unter die Leute bringen. Wichtig ist, Sie bleiben stets kundenorientiert. Das ist nicht so schwer, Kritik kommt konstruktiv daher, wir geben uns immer nur wertschätzende Feedbacks, Rückmeldungen sind schon völlig out. Erlernen Sie die positive Sprache, Sie müssen die Menschen nur richtig aufschließen. Lernen Sie empathisch zu wirken, es muss echt aussehen, dann liegen Sie schon ganz gut im Rennen. Was, das können Sie nicht? Das fällt Ihnen schwer? Sie sind dann nicht mehr authentisch? Alles Schnee von gestern, alles kann man lernen, Sie müssen es nur oft genug eingeübt haben, und bedenken Sie, das machen doch alle so! Das ist der All-inclusive-Charkater unserer Zeit. Geht Ihnen mal die Luft aus, so wenden Sie sich mit ruhigem Gewissen an ihr zuständiges Arbeitsamt. Die Agentur ist das leibhaftige Kompetenzzentrum in Sachen Kuhmist, immer auf dem Laufenden, und die Dynamik unseres Lebens wird dort herrlich visualisiert, denn hier erleben Sie hautnah wahre Innovationsfreude. Am Puls der Zeit zu sein bedeutet: Alles hat seinen Preis. Und sicherlich haben Sie nur eine Kleinigkeit übersehen, Sie haben die falsche Bewerbungsmappe ausgewählt, einfach zu hohe Ansprüche oder Absätze oder immer noch nicht die richtigen (Bildungs-?-)Maßnahmen durchlaufen, die alle Gestrauchelten und Beladenen wieder auf die Hartz-IV Beine bringen. – Fordern und Fördern hieß es mal, geblieben ist das Fordern, aber dem Sozialgesetzbuch geht immer noch das Wort sozial voraus, wenn auch nur noch auf dem Papier. Die Wirklichkeit im neuen Liberalismus ist schneller und geht über Worte hinweg. Die sind eh nur Schall und Rauch. Das Tempo, der Sachzwang und die normativen Kraft des Faktischen drängen das Nach- und Durchdenken an die Wand. Gehetzt und atemlos hat es schon kapituliert. Und dann dieser Kuhmist in Bezug auf Kinderarmut. Diese einseitige Darstellung, denn der Bericht über die reichen Kinder, die in Konsumverwahrlosung aufwachsen müssen, der ist durch ein Zeitfenster gefallen. Und alle Lösungen, die bisher gesucht wurden, waren eben nicht zeitnah, wahrscheinlich zu visionär oder einfach nicht konsequent genug zu Ende gedacht. Aber das ist nur meine Wahrheit und wie Sie ja wissen, jeder hat seine eigene Wahrheit und konstruiert sich seine Wirklichkeit immer wieder neu. Viel Spaß, Langeweile kann so keinesfalls aufkommen, denn vielleicht ist zwei und zwei morgen ja schon drei oder fünf, genauso wie die Mathematik der Arbeitsagentur z.B. 2,9 km Fahrtkosten bei ihren Kunden rechnerisch abrundet auf 2,0 km, worüber niemand klagt und spricht. |
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